Von der Schönheit der Königin
Orgel und Photographie - eine Ausstellung der besonderen Art
bei Christian Lobback in Neuendeich
Daniel Gockenbach, Tübingen
Da gibt es die Portrait-, Kinder-, Landschafts-, Architektur-, Akt-, Werbe-, Theater-,
Mode-, Genre-, Kunst-, Tier-, Illustrations-, Reportage-, Mikro-, Makro-, Stereo-, die
generative oder subjektive, die inszenierte Photographie und die Orgelphotographie.
Nach der nicht gerade unumstrittenen Gliederung der einzelnen Fachgebiete sprechen Fachleute
von bildmäßiger Photographie, für die das Photo in seinen formalen Qualitäten Selbstzweck
ist; zutreffend primär bei der künstlerischen Photographie.
Ab und zu gibt es Schönheit in der zeitgenössischen Kunst. Sie tritt meistens still und
zurückhaltend auf und fordert vom Betrachter ein genaues Hinsehen. Musik ist die flüchtigste
der Künste; ist der Ton erst einmal verklungen, gibt es keinen Weg ihn zurückzuholen.
Aber die Klangkörper, denen wir das Klangerlebnis überhaupt verdanken bleiben präsent,
überdauern manchmal Jahrhunderte. Dem Klangkörper der Königin der Instrumente - der Orgel,
widmet sich diese Ausstellung. Initiator dieses anspruchsvollen Projekts ist Christian
Lobback, dessen Orgelbauwerkstätten seit 1980 in Neuendeich beheimatet sind. Untergebracht
sind die Photographischen Werke in Ausstellungsräumen, die in den nächsten Jahren noch
erweitert werden sollen, um dann auf einer Fläche von annähernd 200 Quadratmetern bis
zu 70 Exponate ausstellen zu können. Die Photos zeigen höchst individuell gestaltete
Instrumente, die in den Neuendeicher Werkstätten entworfen und hergestellt wurden. Die
Aufnahmen von Reimund Grimm, Hagen Wehrend und Christian Lobback bieten klare, perfekt
aufgenommene, perfekt beleuchtete Formen. Schöne Formen. Sie sind Produkte moderner
Zivilisation, die sich aber nicht von natürlich gewachsenen Strukturen entfernen. Hier
wird das ursprüngliche Anliegen des Modernismus sichtbar, Form und Funktion harmonisch
zu vereinen, ohne auf Sachlichkeit verzichten zu müssen. Lobbacks Enwürfe gelten zu recht
als positive Beispiele einer auf Funktion hin orientierten, modernen Orgelarchitektur, die
den Bezug zum sakralen Aufstellungsraum aber niemals aufgeben. Da ist die Aufnahme der
Orgel der Evangelischen Kirche Haan bei Düsseldorf, ein eindrucksvolles Lichtbild mit
dem Format 120 x 150 cm von Hagen Wehrend. Das Gehäuse mit den spitz profilierten fünf
Vertikalfeldern ragt wie ein Monolith mächtig empor und fügt sich in vornehmer Größe in
den Sakralraum ein. Die Schallbretter mit den Perforationen wirken wie stark vergrößerte
Molekularstrukturen unter dem Mikroskop. Der Klangkosmos mit seinen etwa vier Billionen
Klangfarben findet in der organisch strukturierten Architektur der Orgel seine Entsprechung,
Wehrend, der studierte Fotodesigner und Fotograf ist prädestiniert, derartige Lichtbilder
zu gestalten, vor seinem Studium hat er bei Lobback in Neuendeich eine Orgelausbildung absolviert.
Der Neuendeicher Ausstellung kann bescheinigt werden, daß sie mit den gezeigten Photographien
der Königin der besonderen Herausforderung sehr wohl gerecht wird.
Sowohl für den engagierten Photografen als auch für den ernsthaften
Orgelfreund und Fachmann lohnt sich der Weg in die landschaftlich reizvoll
gelegene Orgelwerkstatt. Besonders Kirchengemeinden und Institutionen,
die einen Orgelneubau planen, können wertvolle Anregungen für die architektonische
Gestaltung des geplanten Instruments in den unterschiedlichsten Räumen
gewinnen. Führungen werden persönlich von Christian Lobback durchgeführt.
Eine Anmeldung ist aber unbedingt erforderlich: FAX: 04122 - 7363 - Email:
kontakt@gclobback.de
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